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Halle platzte fast aus allen Nähten

Die Jubelstürme nach dem Frauenerfolg waren kaum verstummt als die ersten Männerspieler das Parkett betraten. In der Landesliga hatte der Nordhäuser SV am Wochenende das Team vom HSV Apolda II zu Gast. Die bereits gut besetzte Ballspielhalle füllte sich bis zum Anpfiff die noch einmal gehörig. Die Handballfestung platzte fast aus allen Nähten…

Nordhausen mit einem Novum. Sie konnten erstmalig in Bestbesetzung auflaufen. Auf der Bank herrschte eine ungewöhnliche Enge. Auch Apolda II war mit voller Kapelle angereist. Für sie ging es um die Verteidigung von Platz 3 in der Tabelle. Ausgezeichnete Stimmung auf den Rängen und auf dem Parkett zwei angriffslustige Mannschaften. Die letzte Zutat, die Schiedsrichter. Vorweg, sie leiteten die Partie ausgezeichnet. Unauffällig und dennoch äußert Souverän.

Treffer Nummer 1 erzielte Maximilian Kürschner. Mit einem verwandelten Strafwurf antworteten die Gäste (1:1). Aus einer zweiminütigen Abtastphase, bei der auch die Schiedsrichter ihre rote Linie deutlich absteckten, gingen die Gäste mit der 1:2 Führung und dem 1:3 heraus. Nordhausen wirkte nicht frisch und noch gar nicht im Spiel angekommen.

Die Gäste hingegen entwickelten ein Feuerwerk. In der 8. Minuten vergrößerten sie ihren Vorsprung auf 1:4. Florian Gröger, der im weiteren Spielverlauf so einiges einstecken musste, mit dem Anschlusstreffer zum 2:4. Apolda II weiter unbeirrt. Zu diesem Zeitpunkt dominierten sie spielerisch die Begegnung.

Nordhausen gab sich nicht auf, ins Spiel rein finden vermochten sie zu diesem Zeitpunkt dennoch nicht. Im Gegenteil, zum Entsetzen der Zuschauer vergrößerte sich der Vorsprung bis zur 18. Minute auf 5 Treffer (6:11). Angesichts der Dominanz der Gäste drohte dem NSV ein Debakel.

Vielleicht waren die Gäste selbst überrascht so früh und deutlich in Führung zu liegen, denn sie wurden nachlässig. Der treffsicherte Nordhäuser an diesem Tag Florian Gröger verkürzte mit zwei Treffern auf 9:12 und Marcel Effenberger-Kiel auf 10:12. Die Gäste beeindruckt, nahmen eine Auszeit.

War die Resultats Verkürzung nur ein Strohfeuer der Hausherren? Mit Nichten, nach der Auszeit übernahmen sie wieder die Initiative und setzten den HSV gehörig unter Druck. Auch das zwischenzeitliche 10:13 änderte nichts an der Verschiebung der Kräfte auf dem Spielfeld.

Der NSV packte, angetrieben vom Heimpublikum, eine gehörige Portion Selbstvertrauen aus. Im Doppelpack wieder Florian Gröger mit dem 11:13 und Marcel Effenberger-Kiel mit 12:13. Der Favorit taumelte fiel aber nicht – noch nicht. Sie hatten in der ersten Halbzeit auch das Glück auf ihrer Seite. Nordhausen vergab gleich 2 Strafwürfe und eine gute Portion von Chancen.

Florian Gröger machte es kurz vor der Halbzeitpause besser und verkürzte vom Punkt auf 14:15. Als dann der Angriff der Gäste abgefangen wurde winkte der Ausgleich. Die linke Seite wurde schnell freigespielt und Lukas Stolze kam zum Wurf. Der Ball landete im Tor, dennoch kein Treffer.

Das Halbzeitsignal rettete Apolda. Die Hallenuhr war erbarmungslos und schickte das Signal einen Hauch vor der Überquerung des Balls über die Torlinie durch die Halle. Halbzeitstand 14:15, die Partie völlig offen.

Der Ausgleich war nur aufgeschoben. Lukas Fehling erzielte das 14:14 bereits nach 28 Sekunden der zweiten Halbzeit. Keine 40 Sekunden später holte Florian Gröger mit 15:14 mit einem Gewaltwurf aus dem Rückraum die Führung in die Reihen der Hausherren. Beim 16:14, ein Alleingang von Marcel Effenberger-Kiel, brodelte es in der Halle.

Apolda II angeschlagen fing sich eine Zeitstrafe ein. Folge, Lukas Fehling netzte zum 17:14 ein. Die Schockstarre der Gäste dauerte 7 Minuten. Beim 18:17 waren sie wieder auf Augenhöhe. Nun waren die Fans gefragt. Sie trieben lautstark die NSV Spieler nach vorn. Florian Gröger und Lukas Stolze bedankten sich mit den Treffern zum 20:17.

In den langen Schlussspurt von 19 Minuten ging der NSV mit einem Vorsprung von 3 Treffern. Und wieder war es der beste Südharzer Shooter Florian Gröger, am Ende mit 14 Treffern -Winner oft the Match-, der auf 21:17 erhöhte. Zwischenzeitlich scheiterte Apolda vom Strafwurfpunkt an Christoph Keil. Mit 2 Treffern in Folge verkürzten die Gäste dennoch auf 21:19. Die Hoffnungen der Gäste wurden von „Floh“ Florian Gröger nach einer Auszeit mit einem Doppelschlag zerstört (23:19). Danach war wieder Marcel Effenberger-Kiel mit dem 24:19 erfolgreich.

Nordhausen hatte viel Kraft investiert und musste im den verbleibenden 11 Minuten haushalten. Die Gäste nun wieder im Spielrhytmus angelangt bereinigten den Rückstand in der 57. Spielminute bis auf einen Treffer, Spielstand 26:25. Böse Befürchtungen machten sich auf den Rängen breit.

Lukas Fehling und Tim Boikat erlösten alle mit dem 28:25. Der Treffer zum 28:26, mit dem Schlusssignal, durch Apolda II nur noch Makulatur. Nordhausen hatte mit einem Kraftakt einer Arbeitsleistung, spielerisch war Apolda II besser, und seinem lautstarken Anhang die Partie gedreht und verdient gewonnen.

Die Zuschauer zollten am Ende ihrer Mannschaft Respekt. Nachdem die Partie verloren schien wurde der Sieg noch einmal sprichwörtlich aus dem Feuer gerissen. Am treffsichersten zeigten sich Florian Gröger mit 14 und Marcel Effenberger-Kiel mit 6 Treffern. Sie wurden von ihren Nebenleuten gut in Szene gesetzt. Bestnoten verdienten sich, nach anfänglichen Schwierigkeiten, Christoph Keil und Nachwuchstorhüter Maximilian Watzke.

Christoph Keil, Lukas Fehling 3, Nils Warschkow, Phillip Keil, Tim Boikat 1, Martin Lutze 1, Florian Gröger 14, Yannik Hund, Marcel Effenberger-Kiel 6, Maximilian Hund, Bruce Kunze 1, Lukas Stolze 1, Normen Bischoff, Stefan John

Strafzeiten NSV 3 + 1 Rot HSV 2
Strafwürfe NSV 7/3 HSV 5/3