Ein Spiel für die Geschichtsbücher

Ein Spieltag, der in die Geschichtsbücher beider Vereine eingehen wird. Stehende, von Jubelgesängen, begleitete Beifallsstürme aus dem Nordhäuser Fan Lager und fassungslose versteinerte Gesichter auf Seiten der Gäste aus Schnellmannshausen. Ausgelöst wurden die Reaktionen durch die letzte Aktion auf dem Spielfeld.

Beim Stand von 20:19 entschieden die Schiedsrichter auf Strafwurf, später dazu mehr, für die SG. Alle hatten sich nach der Entscheidung mit einer Punkteteilung angefreundet. Nicht so NSV Keeper Christoph Keil. Der ehrgeizige, und in dieser Partie wieder einer der besten seiner Mannschaft, parierte den Wurf und der Jubel kannte keine Grenzen mehr. Diese Parade war der Schlusspunkt einer von Kampfgeist geprägten und an Spannung kaum zu überbietenden Landesliga Partie.

Während die Gäste in Bestbesetzung auflaufen konnten, zwickte es in der Aufstellung der Nordhäuser gehörig. Die Ausfallliste wurde unter der Woche immer länger und so musste Altmeister Matthias Thiele aus der „Zweiten“ aushelfen. Es fehlte fast der komplette Rückraum, so bekam der gelernte Kreisläufer Philipp Keil sogar Einsatzzeiten im Rückraum. Die kleine Schaar der Tapferen hatte nichts zu verlieren aber alles zu gewinnen. Dies honorierten die Zuschauer mit lautstarker Unterstützung von Beginn an.

Vorweg, einen Schönheitspreis verdiente sich die Partie nicht. Wie auch, bei den Aufstellungsnöten des NSV. Die Dramatik der Partie jedoch hätte Edgar Wallace nicht besser Inszenieren können. Einen großen Anteil daran hatten auch die Schiedsrichter. Da das spielerische Element oftmals auf der Strecke blieb war die Brechstange im Dauereinsatz. Dies bedeutete für die Referees 60. Minuten vollste Konzentration. Sie blieben ihrer Linie während der gesamten Spielzeit treu und leiteten die Partie sicher. Sie verhängten 16 Zeitstrafen (32 Spielminuten) und gaben 5 Strafwürfe.

Tim Boikat eröffnete mit dem 1:0 in der 3. Spielminute. Der Ausgleich folgte kurz danach. Zu diesem Zeitpunkt glaubten die Zuschauer, dass die besser gerüsteten Gäste die Nordhäuser Abwehr überrennen würden. Es kam ganz anders. Die SG Spieler, ohne Zuordnung und vielen Alleingängen, zerstörten ihr eigenes Spiel. Die Würfe landeten in den Fängen von Christoph Keil im Tor der Südharzer.

In der 9. Minuten übernahmen die Gäste trotz allem die Führung (1:2), durch einen Schlagwurf von der Mitte. Einen Konterangriff verwandelte Tim Boikat zum 2:2. Bis zur 14. Spielminute beim Stand von 4:4 legten die Gäste vor und der NSV zog nach. In der Folge mussten die Gastgeber ihrer Notbesetzung, einem uneingespielten Aufgebot, Tribut zollen. In der 22. Minuten erzielte Leon Biehl das 5:9 für die SG. Angesichts der Reserven auf den jeweiligen Auswechselbänken eine erste Vorentscheidung? Nicht an diesem Tag und in diesem Spiel.

Regisseur und Handallfuchs Matthias Thiele betrat das Parkett. Mit seiner Erfahrung sortierte er und gab seinen aufopferungsvoll spielenden Nebenleuten neue Hoffnung. Vor allem der junge Yannik Hund bedankte sich für die Unterstützung und wurde am Ende mit 9 Treffern Torschützenkönig. Nordhausen kämpfte um jeden Ball in jeder Aktion und erzielte Wirkung. Sie verkürzten den Rückstand bis zur Halbzeit auf 8:10.

Die zweite Halbzeit begann mit einer Zeitstrafe für die Gäste. Und wieder schmolz der Vorsprung (9:10). Beide Teams in der Folge mit offenen Visier. Die Fanblöcke hielt es jetzt nicht mehr auf den Sitzen. Bis zur 40. Minute hielt Schnellmannshausen die knappe Führung. Yannik Hund mit dem ersten Achtungszeichen (13:13). Es blieb ein Achtungszeichen, der Rückstand in der 46. Minute betrug wieder 2 Treffer (14:16).

Die besagte Brechstange wurde nun den SG Spielern zum Verhängnis. Sie dezimierten sich durch überhastete Abwehraktion und übermäßigen reklamieren selbst. Binnen 2 Minuten kassierten sie 4 Zeitstrafen. Das weckte bei den Hausherren neue Kräfte. Wieder war es Yannik Hund der den Ausgleich (16:16) und den anschließenden Führungstreffer zum 17:16 erzielte.

Kampfgetümmel, Handball sieht anders aus, dann bis zum 18:18. Maximilian Hund und Lukas Stolze, in Unterzahl, legten mit den Treffern 19 und 20 zum 20:18 vor. Zu spielen waren noch 2 Minuten und 13 Sekunden. Genügend Zeit für die Gäste. Anstatt zu spielen hagelte es wieder Zeitstrafen, 3 für die SG und 1 mal für den NSV.

Nordhausen in dieser Phase mit den letzten Kräften, nur angetrieben von den nimmermüden Fans, konnte den Ball nicht in den eigenen Reihen halten. 37 Sekunden vor Abpfiff fiel das 20:19. Eigentlich kein Problem. Es sollte nicht sein, der Angriff blieb in der Mitte auf Höhe des Strafwurfpunktes der SG stecken. Nun kam eine neue Regel, die für die letzten 30 Sekunden gilt, zum Einsatz.

Da der NSV Spieler eine aktive Handlung mit dem Ball nach Pfiff der Schiedsrichter tätigte ist zwingend, da ein möglicher Konterangriff verhindert wurde, auf Strafwurf und Disqualifikation des betreffenden Spielers zu entscheiden. Es kam zum Strafwurf und der bereits erwähnten Großtat des NSV Keepers.

Der Jubel hallte noch lange durch die Ballspielhalle. Nordhausen hatte mit einem unbändigen Willen den Sieg aus dem Feuer gerissen. Jeder stellte sich in den Dienst der Mannschaft und wurde von den Paraden eines Christoph Keil angetrieben. Matthias Thiele führte Regie wie in alten Zeiten und kam selbst zu 2 Treffern. Den Löwenanteil der Treffer des NSV erzielte der junge Yannik Hund mit 9 Treffern.

Christopf Keil, Nils Warschow, Philipp Keil, Tim Boikat 3, Yannik Hund 9, Maximilian Hund 2, Bruce Kunze, Lukas Stolze 2, Matthias Thiele 2, Oscar Hummitzsch, Stefan John 2

Statistik

Strafwürfe: NSV 2/2 SG 3/1
Zeitstrafen: NSV 7 SG 9
Zuschauer: 300